Blogbeitrag zu Wirtschaft und Arbeit von Egon Seil

09. März 2020

Der 10. März 2016 wird vielen Menschen in schrecklicher Erinnerung bleiben:
Siemens hat verkündet, den Standort Ruhstorf a.d.Rott extrem zu reduzieren (um 710 Mitarbeiter) und die Arbeit in die tschechischen Werke zu verlagern. Ursprünglich wollte der Siemens – Vorstand den Standort komplett schließen. Ruhstorfs größten Arbeitgeber mit einer über 120 jährigen Tradition.

Täglich gaben sich hochrangige Politiker verschiedenster Parteien die Klinke in die Hand, um zu verhandeln und den „Schaden" zu begrenzen. Kurzfristig wurden Demos und Veranstaltungen organisiert. Die örtlichen Betriebe und Mitmenschen haben mit den Siemensianern gekämpft. Die ganzen Maßnahmen haben zumindest bewirkt, dass auf dem Papier „nur" 580 Mitarbeiter anstatt der geplanten 710 abgebaut werden sollten. Parallel wurde von der Staatsregierung entschieden, dass Ruhstorf eine Zweigstelle der LfL (Landesanstalt für Landwirtschaft) mit bis zu 200 Mitarbeitern in der Endausbaustufe ( in ca. 10 Jahren ) erhält. Den vielen freigestellten, hochqualifizierten Metall- und Elektrofacharbeitern wird das jedoch kaum etwas nutzen… Ein weiterer Baustein war die Gründung einer Vermarkungsgesellschaft, die sich darum kümmert, dass sich neue Firmen in den leerstehenden Hallen einmieten und freigestelltes Personal übernehmen. Bisher mit eher mäßigen Erfolg. Die Wirklichkeit nach 4 Jahren sieht leider nicht toll aus. Bis jetzt wurden bereits über 650 Mitarbeiter abgebaut und der Interessensausgleich läuft noch bis September 2020, sodass sicher noch nicht der letzte Stand an Personalabbau erreicht ist. Zudem bleibt die Angst, dass sich für die verbleibende Mannschaft das Geschäftsmodell nicht rechnet und es über kurz oder lang zu einer Komplettschließung kommen kann. Viele Mitarbeiter sind inzwischen weg und viele Büros und Werkhallen leer. Wo früher Stanzmaschinen , CNC-Bearbeitungszentren, Drehmaschinen, Wickeleiarbeitsplätze waren ist jetzt gähnende Leere. Besenrein. Ein trauriger Anblick.

Wir vom Ortsverein haben immer wieder die Aktivitäten der Vermarktungsgesellschaft hinterfragt und parallel bei den Verantwortlichen der LfL (Landesanstalt für Landwirtschaft) und dem TZE (Technologiezentrum Energie) für eine aktive Zusammenarbeit mit Siemens geworben und auch die Räumlichkeiten ins Spiel gebracht. Um diese Verbindung zu stärken und anzuschieben haben wir am 03. Februar 2020 den parlamentarischen Staatsekretär und MdB Florian Pronold und MdL Christian Flisek mit den verantwortlichen Personen von Siemens, vom TZE und der MTU- Ruhstorf im Sitzungssaal des Rathauses zusammengebracht. Die LfL und die Firma Hatz mussten sich leider entschuldigen. Es war ein sehr konstruktives und interessantes Gespräch und lässt hoffen, dass erste leerstehende Hallen durch die Zusammenarbeit demnächst eine Verwendung finden. Die Zusammenarbeit funktioniert schon ganz gut und wird stetig ausgebaut. Es gibt gemeinsame Ziele und neue, hochinteressante Aufgaben. Alles hängt mit allem zusammen. Florian Pronold hat bekräftigt, dass er anbieten kann an Fördertöpfe ranzukommen und / oder die nötigen Verbindungen und Kontakte herzustellen. Zudem hat er angeboten alle betroffenen Ministerien an einen Tisch zu bringen, damit dort die Ideen der Ruhstorfer vorgestellt werden können. Durch die hervorragende fachliche Kompetenz vor Ort und die zwingend zu lösenden Zukunftsaufgaben wäre es toll, ein kleines „Silicon Valley" am Siemens Standort in Ruhstorf schaffen zu können. Themen und Aufgaben gibt es mehr als genug. Ein gelungenes Treffen mit der Hoffnung für Ruhstorf eine zukunftsträchtige Lösung angestoßen zu haben. Ein erster Baustein ist gelegt. So können neue Firmen, Zweigstellen anderer Firmen, komplett neue Start-Ups , neue Berufe im Forschungs- und Prüfbereich und interessante Arbeitsplätze auf dem Siemens-Gelände entstehen. Der Fall Siemens Ruhstorf zeigt, dass es auch bei negativen Ereignissen immer Chancen für Positives gibt….es müssen nur die richtigen Menschen zusammengebracht und der Finger immer wieder in die Wunde gelegt werden.

Egon Seil, SPD Ruhstorf und Marktrat

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